Eine Woche im Château d’Orion

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von Nicole H.

… einem Ort, an dem Geschichte lebendig ist. Gemälde und Bilder, auf denen man die Menschen sieht, die hier gelebt haben. Kleidung die sie getragen haben, Bücher, die sie gelesen haben, Kinderbücher. Man speist von denselben Tellern. Die Vergangenheit ist nicht abgeschlossen, vergangen. Ihre Spuren sind wie selbstverständlich da, gestalten die Gegenwart mir. 

In dem Château, das voller Geschichte und Geschichten steckt – Elke Jeanrond weiß immer wieder neue zu erzählen – sich eine Woche mit Menschen zu treffen, die gekommen sind, um nachzudenken – das ist ein ganz besonderes Erlebnis. Dem Professor, in meinem Fall Prof. Constantin von Barloewen und Dr. Gala Naoumova, zu lauschen – sie genießen es offensichtlich genauso, eine Woche an einem Thema dranzubleiben – dann wieder heitere Diskussionen über das Gehörte, die manchmal eine Eigendynamik entwickeln, neue Fragen aufwerfen. Spannend eine Thema – Vielfalt der Kulturen – unter verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten: Der Universitätsprofessor, die China-Korrespondentin, der Unternehmer, der Musiker, die Kinderärztin, die Lehrerin. Die Praktiker, die Theoretiker. Die Pessimisten, die Optimisten. 

Die Gespräche, oft bei Tisch weitergeführt, brachten Menschen mit unterschiedlichen Geschichten, unterschiedlichen Auffassungen einander nahe. In dieser Woche haben wir im Kleinen einen Dialog praktiziert, den wir im Großen träumten. 

Dem Anderen zuhören, sich von vorgefaßten Meinungen befreien, immer neu öffnen, eigene Standpunkte entwickeln, sie dem Gegenüber erklären. Manchmal harte Positionskämpfe – immer mit dem dazugehörigen Respekt – manchmal gemeinsam geträumte Visionen, immer inspirierende Gespräche, die Wege aufzeigen. Eine Woche, die die Diskussionsfähigkeit enorm schult, die Theorie und Praxis verbindet, die Mut macht, seinen eigenen Weg weiterzugehen, eigene Ideen zu haben und sensibel macht für die vielen verschiedenen Arten, die Welt zu betrachten.

Eine Woche intensiven Austausches – dank einer kleinen Gruppe von zwölf Leuten, einem Professor, der den Diskussionen immer eine fundierte Grundlage gibt und der liebevollen Gestaltung von Elke Jeanrond. 

Eine intellektuell hoch anspruchsvolle Woche, die in der Stille am Rand der Pyrenäen und dank fabelhaften Essens in dem historischen, liebevoll restaurierten Gebäude das Maß an Muse, Ruhe und Freiheit bietet, um zu immer neuen geistigen Höhenflügen aufzubrechen.



Tobias Premauer