"Was braucht der Mensch?" Teil 2
Dagmar F.
Was braucht der Mensch und was brauchst du als Mensch zum Leben?
Zunächst braucht der Mensch das nackte Überleben seiner Person und des Planeten, auf dem er lebt. Das heißt Frieden, gesunde Nahrung und sauberes Wasser. Ich glaube der Mensch braucht dann als soziales Wesen vor allem Beziehungen (Kohärenz) – das Eingebunden sein in eine soziales Netz mit all den Werten, die er darin finden kann: wie Liebe, Respekt, Anerkennung – angenommen sein... Da man diese Qualitäten nur als seelische Empfindung aus Beziehungen erreichen kann – sich selbst und anderen gegenüber, ist eine Gemeinschaft wie ein Fond, in den man etwas einbringen kann und etwas bekommen kann. Egoismus hört dann auf schädlich zu sein, wenn man die ganze Welt darin einbezieht oder „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“.
Ich selbst brauche auch gesundes Essen und sauberes Wasser, sinnvolle Aufgaben, Bildung, Beziehungen, Liebe und Achtung - das Vertrauen in mich selbst und meine Familie, dass jemand für mich einsteht, wenn ich hilflos bin.
Welchen Menschen stellst du dir dabei vor?
Ich stelle mir dabei vor allem die Kinder auf unserer Erde vor. Kinder sind schutzlos den Erwachsenen ausgeliefert. Manche werden be- und gehandelt wie ein Stück Ware. Die Gesellschaft und auch die Jugendämter schauen oft weg statt Hilfe und Unterstützung an zu bieten. Auch Kulturen und Traditionen schützen die Kinder oft nicht (autoritäre Erziehung, Prügelstrafe, Beschneidung, Zwangsheirat). Kulturen sollten insoweit abgeschafft werden, als sie den Menschenrechten (UN Millennium Goals) widersprechen.
Welche Begegnung oder welches Erlebnis während dieser Woche hast du in besonderer Erinnerung behalten?
Ich danke Elisabeth ganz herzlich für die weise Führung durch die Texte: für mich wirklich ein Höhepunkt war dann Tolstois „Wieviel Erde braucht der Mensch“. Diese Geschichte hat mich tief bewegt – zu fühlen wie Werbung gefährliche Gier und Schadenfreude wecken kann, wie wichtig es also ist genau zu prüfen, was man wirklich braucht. Elke und Tobi habe ich in mein Herz geschlossen. Ich werde sie für immer in besonderer Erinnerung behalten als Beispiel für eben diesen oben genannten „Egoismus, in den man die ganze Welt einbeziehen kann“ – das „Schlosspaar“, das die ganze Welt an ihren materiellen und ideellen Gütern teilhaben lässt. Diese Gastfreundschaft – zwei, deren Leben Sinn hat. Auch Georg, Sylvain und Valerie – zu spüren, was passiert, wenn Menschen ihren ganz besonderen eigenen Weg gehen. Dann dieser Ort, die Natur und besonders der Geier, der – wie selbstverständlich – für uns auf dem Brückenmäuerchen saß.
Auf die ein oder andere Art und Weise streben wir alle nach dem Glück, doch ist das überhaupt so wichtig?
Mit 20 habe ich mir ein Frühstücksbrettchen gekauft mit einem der vielen Glück ist ... -Sprüche: „Glück ist Jemanden zu haben, den man liebt“ Ich bin dann glücklich, wenn ich spüre, dass mein Leben einen Sinn hat, wenn es mir gelingt, in den Beziehungen zu einzelnen Menschen gerade das zu geben, was eben gerade dieser braucht, und in einer Gemeinschaft mit anderen Menschen mich selbst und diese Welt zu gestalten.
Was ist die Basis für ein gelingendes Leben, und was braucht es dafür: bestimmte materielle Güter oder immaterielle Tugenden?
Sich selbst entwickeln wollen – fachlich und menschlich - um seinen Mitmenschen immer besser helfen und raten zu können – sich selbst zu finden und dadurch die eigenen Kräfte zu entwickeln – zu spüren, welche Aufgabe man in diesem Leben erfüllen kann – das ist für mich Erfüllung – nicht das Füllen mit Gütern. Materielle Güter können in unserer Zeit natürlich helfen bestimmte Dinge zu erreichen. Wenn man die richtige Aufgabe erkennt, dann entwickelt man auch eine wunderbare Kraft sie zu erfüllen und man spürt dann, dass diese Kraft von Beginn an in uns ist. Diese Kraft dann für sich und andere einsetzen zu können, ist für mich ein gelingendes Leben.